
Der Padel-Boom sorgt für Diskussionen – besonders in der Tenniswelt. Wir sprechen mit Patrik, Tennistrainer und Herren-30-Bundesliga-Coach, über Chancen, Vorurteile und die Zukunft beider Sportarten.
Padelmagazin: Patrik, viele Tennisspieler belächeln Padel noch immer. Ist das Arroganz – oder steckt tatsächlich ein Qualitätsunterschied zwischen den Sportarten dahinter?
Patrik: Ich glaube, es ist oft eine Mischung aus Gewohnheit und Unwissenheit. Viele Tennisspieler haben Padel nie richtig ausprobiert und beurteilen den Sport von außen. Natürlich ist Tennis technisch und athletisch eine extrem anspruchsvolle Sportart. Aber Padel hat ganz eigene Anforderungen – vor allem taktisch, im Stellungsspiel und im Zusammenspiel mit dem Partner. Wer Padel ernsthaft spielt, merkt schnell, dass es deutlich anspruchsvoller ist, als es zunächst aussieht.
Padelmagazin: Du trainierst auf Bundesliga-Niveau im Tennis. Würdest du behaupten, dass ein guter Tennisspieler automatisch auch ein guter Padelspieler ist – oder wird Padel von Tennisprofis unterschätzt?
Patrik: Ein guter Tennisspieler bringt definitiv Vorteile mit. Technik, Ballgefühl und Bewegungsabläufe helfen enorm. Aber automatisch ein guter Padelspieler wird man nicht. Man muss lernen, die Wände einzubeziehen, geduldiger zu spielen und ständig mit dem Partner zu kommunizieren. Gerade diese taktischen Elemente werden von vielen Tennisspielern anfangs unterschätzt.

Padelmagazin: Kritiker sagen, Padel sei nur die "einfachere Version" von Tennis. Ist das eine faire Einschätzung oder ein Vorurteil, das sich hartnäckig hält?
Patrik: Das halte ich für ein Vorurteil. Der Einstieg ist bei Padel einfacher, weil man schneller Erfolgserlebnisse hat. Genau das macht den Sport so attraktiv. Aber auf hohem Niveau ist Padel alles andere als einfach. Die Ballwechsel, Winkel und taktischen Entscheidungen sind extrem komplex. Deshalb sollte man die Sportarten nicht gegeneinander ausspielen – beide haben ihre eigenen Herausforderungen.
Padelmagazin: Immer mehr Tennisvereine investieren in Padelplätze. Ist das eine Chance für den Tennissport – oder langfristig eine Konkurrenz, die Mitglieder und Aufmerksamkeit kostet?
Patrik: Ich sehe darin absolut eine Chance und keine Konkurrenz. Beide Sportarten können hervorragend nebeneinander existieren. Sie sprechen teilweise unterschiedliche Zielgruppen an und ergänzen sich sehr gut. Viele Tennisspieler entdecken Padel für sich und umgekehrt finden Padelspieler den Weg zum Tennis. Entscheidend ist, dass Vereine offen für beides sind und attraktive Angebote schaffen. Davon profitieren letztlich alle.
Padelmagazin: Wenn ein talentierter 12-Jähriger dich heute fragen würde, ob er Tennis oder Padel spielen soll: Würdest du ihm wirklich noch Tennis empfehlen? Warum?
Patrik: Ja, ich würde ihm Tennis empfehlen. Tennis vermittelt eine unglaublich breite technische und athletische Ausbildung. Wer Tennis gut lernt, hat später auch einen leichteren Einstieg in Padel. Gleichzeitig würde ich ihm empfehlen, ruhig beides auszuprobieren. Die Sportarten ergänzen sich hervorragend und können sich gegenseitig positiv beeinflussen.
Padelmagazin: Padel wächst rasant, während Tennis vielerorts mit Nachwuchsproblemen kämpft. Muss sich der Tennissport verändern – oder wird der Padel-Hype irgendwann wieder abflachen?
Patrik: Ich kann diese Entwicklung aus meiner eigenen Erfahrung nicht bestätigen. Bei uns ist das Interesse am Tennis größer denn je. Unsere Tennisschule ist komplett ausgelastet, wir haben Wartelisten und könnten sogar noch mehr Kinder aufnehmen, wenn wir die Kapazitäten hätten. Natürlich gibt es regionale Unterschiede. Manche Vereine haben Herausforderungen, andere wachsen stark. Ich glaube deshalb nicht, dass Tennis grundsätzlich ein Nachwuchsproblem hat. Padel wird weiter wachsen und sich etablieren, aber das muss nicht zulasten des Tennissports gehen. Beide Sportarten können voneinander profitieren und sich gegenseitig stärken.
Padelmagazin: Hand aufs Herz: Glaubst du, dass Padel in Deutschland irgendwann populärer sein könnte als Tennis – oder wird Tennis immer die Nummer eins bleiben?
Patrik: Ich spiele selbst gerne Padel und verstehe absolut, warum der Sport aktuell so boomt. Trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, dass Padel Tennis in Deutschland langfristig überholen wird. Tennis hat eine enorme Tradition, eine starke Vereinslandschaft und begeistert seit Jahrzehnten Millionen Menschen. Große Turniere wie Wimbledon oder die Grand Slams haben weltweit eine Strahlkraft, die einzigartig ist. Ich glaube, Padel wird sich als feste Größe etablieren und weiter wachsen, aber Tennis wird für mich die Nummer eins bleiben. Viel wichtiger ist aus meiner Sicht, dass beide Sportarten voneinander profitieren und gemeinsam noch mehr Menschen für den Tennissport begeistern können.
Vielen Dank für das offene Gespräch, Patrik. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg und freuen uns auf ein Wiedersehen im Padelmagazin!




