Padel wächst rasant und gewinnt auch in Deutschland immer mehr an Bedeutung.


Doch welche Auswirkungen hat dieser Trend auf einen etablierten Hersteller von Tennissaiten? Darüber spricht das Padelmagazin mit Friedhold Stahlheber, Geschäftsführer von Polyfibre.

Padelmagazin: Padel boomt weltweit. Welche Auswirkungen spürt Polyfibre als Tennissaiten-Hersteller schon heute?

Polyfibre: Padelschläger haben keine Saiten, daher gibt es keinen direkten Transfer unseres Kernprodukts. Der weltweite Tennismarkt wächst dennoch robust. Wir nutzen den Padel-Trend vor allem als Katalysator für unser Zubehörgeschäft (Griffbänder, Socken), während unsere F&E-Energie weiterhin in die Perfektionierung von Tennissaiten liegt. Padel ist für uns eine Bereicherung, die den gesamten Racketsport dynamisch hält.

Padelmagazin: Verändert der Padel-Erfolg das Kaufverhalten Ihrer Kunden oder die Nachfrage nach bestimmten Tennissaiten?

Polyfibre: Ja. Padel bietet ein sehr weiches, elastisches Spielgefühl. Tennisspieler, die auch Padel spielen, suchen dieses fehlerverzeihende Gefühl zunehmend auf dem Tennisplatz. Starre Monofilament-Saiten verlieren an Beliebtheit. Die Nachfrage verlagert sich spürbar zu weicheren, hochelastischen Co-Polyester-Saiten (wie unseren Modellen TCS oder Viper) und multifilen Saiten mit viel Komfort und Armschonung.

Padelmagazin: Sehen Sie den Boom als Konkurrenz zum Tennismarkt oder als Chance?

Polyfibre: Ganz klar als Riesenchance! Padel hat eine flache Lernkurve und bietet Anfängern sofort Erfolgserlebnisse. Es fungiert oft als Einstiegsdroge für den Racketsport überhaupt. Viele kommen über Padel zum Tennis. Zudem verwandeln sich Tennisclubs durch Padel-Courts in belebte Multi-Sport-Hubs – davon profitiert am Ende auch das Besaitungsgeschäft.

Padelmagazin: Welche Unterschiede sehen Sie in den Materialanforderungen und ergeben sich daraus neue Entwicklungsansätze?

Polyfibre: Die Anforderungen sind grundverschieden:

Padel: Da der Schläger sehr steif ist, wandern Vibrationen direkt in den Arm. Wir entwickeln deshalb dämpfende S.A.T.-Overgrips mit hoher Feuchtigkeitsaufnahme und Abriebfestigkeit. Tennis: Hier übersetzen wir das weiche Padel-Gefühl in unsere Saitenauslegung. Mithilfe unserer SMD-Technologie stellen wir Co-Poly-Saiten her, die extrem armschonend sind, aber volle Spin-Kontrolle bieten.

Padelmagazin: Viele Vereine erweitern ihr Angebot um Padel. Glauben Sie, dass sich beide Sportarten langfristig gegenseitig stärken?

Polyfibre: Absolut. Der Trend geht zum Multisportler, der flexibel beide Sportarten nutzt. Mehr Betrieb auf den Anlagen führt zu mehr Abnutzung und höherer Besaitungsfrequenz. Zudem entwickeln sich Vereinsbesaiter zu Allround-Materialberatern für Saiten und Padel-Zubehör.

Padelmagazin: Hat Padel Einfluss auf Ihre Produktstrategie oder bleibt der Fokus rein auf Tennissaiten?

Polyfibre: Wir bauen keine Padelschläger, sondern bleiben Spezialist für Kunststoffextrusion „Made in Germany“. Aber wir nutzen Synergien: Einerseits entwickeln wir gezieltes Padel-Zubehör (Dämpfungs-Grips, Socken), andererseits fließen die Erkenntnisse über elastischen Spielkomfort direkt in die Entwicklung neuer Tennissaiten ein.

Padelmagazin: Welche Rolle wird Padel in den nächsten 5 bis 10 Jahren für Polyfibre spielen?

Polyfibre: Padel ist kein Hype, sondern eine feste Säule. Wir stellen uns auf eine voll integrierte Racketsport-Industrie ein. Polyfibre positioniert sich künftig nicht mehr rein als Tennissaiten-Marke, sondern als Spezialist für Material- und Kontakttechnologie im Racketsport. Padel wird die Tennisbranche nicht schwächen, sondern verjüngen.

Herr Stahlheber, vielen Dank für das Gespräch und Ihre interessanten Einblicke. Wir wünschen Ihnen und Polyfibre weiterhin viel Erfolg und sind gespannt, wie sich Tennis und Padel künftig gemeinsam entwickeln.

Mehr Infos über Polyfibre findest du hier polyfibre.com